Kolumbien nach den Wahlen – Die Lage bleibt kritisch

Am 11. März haben die bürgerlichen Parteien der kolumbianischen Rechten die Wahlen gewonnen und bleiben in der Mehrheit im Kongress. Eine kritische Situation für die weitere Umsetzung des im November 2016 zwischen der Regierung und der FARC geschlossenen Friedensabkommens, wie Mirjam Kalt, COMUNDO Landeskoordinatorin Kolumbien, berichtet. Auch die Einsatzleistenden Stephan Nebel und Yvonne Massoth äussern sich in ihren aktuellen Rundbriefe über die prekäre Lage vor Ort – und über ihre Hoffungen auf die Präsidentschaftswahlen von Ende Mai.
Grosse Gewinnerin dieser Wahlen ist die Partei «Centro democratico» unter der Leitung des ehemaligen Präsidenten Alvaro Uribe, sie gewann 51 der 280 Sitze in beiden Kammern des Parlaments. Auch die rechtsgerichtete Partei «Radical Cambio» des ehemaligen Vizepräsidenten und Präsidentschaftskandidaten Germán Vargas Lleras hat ihre Zahl der Sitze erhöht.
Beide Parteien sind kritisch, sogar gegen das Friedensabkommen. Auch die Grüne Allianz wurde als grosser Gewinnerin dieser Wahlen gefeiert. Ihr Vertreter Antanas Mockus wurde nach Alvaro Uribe mit der zweithöchsten Stimmenzahl in den Senat gewählt. Die neue politische Partei FARC (Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común) trat mit 10 Sitzen in den Kongress ein, gewann aber weniger als ein Prozent der Stimmen.
 
Präsidentschaftskandidaten nominiert
Neben den Kongresswahlen fanden auch Vorwahlen zur Bestimmung der Präsidentschaftskandidaten statt. Im rechten Lager gewann Ivan Duque die Wahl und Gustavo Petro das linke Bündnis. Laut Umfragen gelten beide als die vielversprechendsten Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen am 27. Mai 2018.


Die Rundbriefe der Fachpersonen Stephan Nebel und Yvonne Massoth mit ihrer Sicht zur politischen Lage vor Ort:

Stephan Nebel

Prekäre Sicherheitslage

Stephan Nebel, Quibdo: «Es war allen bewusst, dass die Implementierung  des Friedensabkommens zwischen der FARC-EP und der Regierung nicht einfach sein wird.  Bis heute wurden 50 Ex-Soldaten der FARC-EP und zahlreiche Familienmitglieder umgebracht.»

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Portrait Yvonnne Massoth

Gewalt nimmt kein Ende

Yvonne Massoth, Tumaco: «Während der Friedensvertrag zwischen Regierung und FARC seit über einem Jahr in Kraft getreten ist, ist (...) es traurige Wahrheit, dass es mittlerweile mehr bewaffnete Gruppen und undurchsichtigere Strukturen gibt als zuvor.»

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Trotz der kritischen Situation, in der sich die Umsetzung des Friedensabkommens befindet, konnten die Wahlen das kolumbianische Volk nicht zu den Wahlen locken. Die Teilnahmequote lag unter den erwarteten 50%. Obwohl die Wahlen zum ersten Mal seit 60 Jahren relativ friedlich verliefen.

Mehr Morde an Friedensaktivisten 
Seit letztem Jahr hat auch die Zahl der Morde an Friedensaktivisten, Menschenrechtsverteidigern, Führern sozialer Gemeinschaften und ehemaligen FARC-Kombattanten trotz des Friedensabkommens rapide zugenommen. Hoffen wir, dass die Präsidentschaftswahlen vom 27. Mai 2018 von einem Befürworter des Friedensabkommens gewonnen werden!

Bild: Kolumbien Tumaco: Campo Santo - Jedes Kreuz steht für eine ermordete Person aus unserem Stadtviertel. © COMUNDO Marcel Kaufmann

Kontakt

Mirjam Kalt

Koordinationsperson Kolumbien
mirjam.kalt@comundo.org