«Gewaltfrei erziehen ist ein Dauerthema»

COMUNDO-Fachperson Barbara Leimeroth berichtet im Interview mit dem WENDEKREIS von ihrer Arbeit mit missbrauchten Kindern in Malindi. Fehlende Perspektiven, Armut und Gewalt prägen das Leben in der kenianischen Küstenstadt.

Barbara Leimeroth, Sie erleben im Center «Pope Francis Rescue Home» täglich Leid und Ungerechtigkeit gegenüber Kindern. Wie behalten Sie trotz allem Ihre Zuversicht?
Barbara Leimeroth: Es gibt die wunderbare Geschichte von einem Mann, der am Strand entlang geht und gestrandete Seesterne zurück ins Meer wirft. Ein Spaziergänger hält die Sache für aussichtslos, es seien zu viele Gestrandete, um an der Situation etwas verändern zu können. Für den einen Seestern mache es einen Unterschied, so die Antwort des Retters. Auch wenn unser Angebot wie ein Tropfen auf den heissen Stein zu sein scheint, so macht es einen Unterschied im Leben eines jeden einzelnen Kindes, das im Center war. Teil eines Teams zu sein, das sich für Gerechtigkeit und Schutz einsetzt, gibt mir Hoffnung.

Wie finden von Missbrauch betroffene Kinder ins Center? Was sind die Aufnahmekriterien?
Der wichtigste Partner ist das Children Departement, die staatliche Kinder- und Jugendschutzbehörde. Weiter arbeiten wir mit der Polizei, dem Spital und Institutionen zusammen, die im Kinderschutz tätig sind. Auch wenden sich Sozialarbeiter, Kirchen, Betroffene oder Eltern an uns. Das Center nimmt Mädchen bis 18-jährig und Knaben bis zehnjährig auf, zurzeit sind es 28 Mädchen. Die Aufnahmekapazität liegt bei 45 Kindern, doch die Infrastruktur ist für eine so grosse Gruppe zu klein.   

Wie sieht die Lebenssituation der betroffenen Kinder aus?
Sie kommen aus allen Gesellschaftsschichten, vermehrt aber aus ärmeren Verhältnissen. Die Täter sind Familienmitglieder oder Fremde.

Welche Betreuung brauchen traumatisierte Kinder?
Das Center leistet psychologische und falls nötig medizinische Betreuung, die Hauseltern arbeiten mit den Beratern/-innen zusammen. Das Kind soll in einem wohlwollenden Umfeld erneut Vertrauen in seine Umwelt aufbauen können.