Massai in Kenia: Und plötzlich ein anderes Leben

Auch die Massai sind eine ethnische Gruppe in Kenia, für die sich derzeit viel verändert. COMUNDO-Fachperson Silvia Stieger-Guglielmetti erzählt von ihren Beobachtungen.

Artikel Wendekreis Juni 2017 Artikel Silvia Stieger

Ja, die Zeiten ändern sich. In Kenia ist dies besonders in meinem Einsatzgebiet im Süden des Landes der Fall. Veränderung heisst für die rurale Bevölkerung, dass immer mehr Häuser Wellblechdächer haben und nicht wie früher aus Naturmaterialien gefertigt sind, die Felder werden eingezäunt. Die Menschen tragen immer westlichere Kleidung und fahren Auto oder Motorrad. Ich lebe seit zwei Jahren im Dorf Ngong in der Nähe von Nairobi und arbeite als «livelihoods advisor» in den beiden an Tansania angrenzenden «Kantonen» Narok und Kajiado. Und auch wenn es mich noch immer überrascht, wie sehr sich die Welt nur wenige Kilometer neben der asphaltierten Strasse ändert, sind die Kultur und die Infrastruktur in meinem Einsatzgebiet nicht so ursprünglich, wie es andere Orte in Kenia immer noch sind.

Zuschauer der Entwicklung
Die so genannte «Entwicklung» greift schnell um sich. Der Staat und grosse Unternehmen bauen Strassen, Abwassersysteme und elektrische Leitungen. Afrikaner/innen und Ausländer/innen kaufen Land, sie gründen Unternehmen. Und die ganze Bevölkerung muss sich irgendwie anpassen. Viele der sich rasch entwickelnden Orte waren vor fünf bis zehn Jahren noch «im Busch». Und das muss ich mir auch immer wieder klarmachen, wenn ich nicht verstehe, warum manche Leute einfach nicht von der Entwicklung profitieren, die viele neue Möglichkeiten zu einem komfortableren Leben eröffnet. Nicht alle sind in der Lage oder willig, sich so schnell anzupassen. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die mehr Zuschauer/innen von all diesen Entwicklungen sind, wie viele Massai zum Beispiel.