Kampf für Menschenrechte in Bergbauregionen

Fachpersonen von COMUNDO werden in Ländern wie Peru und Kolumbien täglich Zeuge von Menschenrechtsverletzungen durch internationale Konzerne. Gemeinsam mit Partnerorganisationen kämpfen sie für die Rechte der lokalen Bevölkerung. Für einen nachhaltigen Schutz der Lebensgrundlagen braucht es jedoch zusätzlich Massnahmen auf gesetzlicher Ebene. Deshalb unterstützt COMUNDO die Konzernverantwortungsinitiative (KOVI). In den nächsten zwei Wochen finden schweizweit verschiedene Veranstaltungen zum Thema statt.

Internationales Treffen in Cusco zur Förderung eines sozialverträglichen Bergbaus mit COMUNDO-Fachperson Mattes Tempelmann (2. von rechts).

In Peru werden immer mehr Gebiete für den Bergbau konzessioniert. Die stetige Abschwächung von Umweltnormen und die Aushöhlung von Landbesitzrechten erleichtern internationalen Bergbaukonzernen ihre Präsenz. «Deren Aktivitäten haben direkte Auswirkungen auf die Lebensbedingungen kleinbäuerlicher Gemeinschaften. Trotzdem haben diese kaum Mitspracherechte», sagt COMUNDO-Fachperson Mattes Tempelmann, der sich beim Netzwerk Red Muqui engagiert – einem Zusammenschluss aus 29 Bürgerorganisationen, das der Bevölkerung bei Bergbaukonflikten beratend zur Seite steht und prüft, ob Gesetze eingehalten werden. «Wir ermutigen die Menschen dazu, sich mit ihrem Lebensraum und dem Potential ihrer Region auseinanderzusetzen. Gemeinsam kartieren wir Landnutzungsmodelle. Diese dienen als Grundlage, um mit der regionalen Regierung in den Dialog zu treten und eine Raumplanung zu fordern, die nachhaltige Perspektiven ermöglicht», erklärte der Geograf, der seit bald vier Jahren mit seiner Familie in Lima im Einsatz ist.

Druck auf Konzerne erhöhen
«Doch legale Wege und Forderungen der lokalen Bevölkerung scheitern leider oft am Veränderungswillen der Regierungen», sagt Mattes Tempelmann. So komme es in Peru immer wieder zu Konflikten und Strassenprotesten mit Toten und schweren Menschenrechtsverletzungen. Hier setzt die KOVI an, für die sich COMUNDO in der Schweiz auf politischer Ebene engagiert. Dank der Einführung einer Sorgfaltsprüfungspflicht könnten betroffene Bevölkerungsgruppen mehr Druck auf Konzerne ausüben. Die KOVI und ähnliche Initiativen in anderen europäischen Ländern wären ein erster Schritt hin zu einem verantwortungsvolleren Bergbau und würden Ländern wie Peru eine nachhaltigere wirtschaftliche Entwicklung bringen.

Auf Versprechungen folgen keine Taten
Welche gravierenden Auswirkungen der Rohstoffabbau haben kann, zeigt auch das Beispiel des Dorfes El Hatillo in Kolumbien: «Während unseres dreijährigen Einsatzes haben sich die Lebensbedingungen der Bevölkerung laufend verschlechtert», berichten die COMUNDO-Fachpersonen Francesco Gerber und Tatiana Rojas, die kürzlich aus Kolumbien in die Schweiz zurückgekehrt sind und am 2. Mai in Genf über ihr Projekt berichten. Die reichen Kohlevorkommnisse seien der Bevölkerung zum Verhängnis geworden: «Minen von Grosskonzernen schossen wie Pilze aus dem Boden und schädigen durch die starke Luftverschmutzung die Gesundheit von Menschen und Tieren», berichtet Tatjana Rojas, die die lokale Vereinigung ASOCAPROHA dabei unterstützte, die Anliegen der Bevölkerung an eine breite Öffentlichkeit zu tragen. Den Versprechungen von Glencore, die Menschen bei der Umsiedlung zu unterstützen, seien leider bis heute keine Taten gefolgt. «Deshalb muss die Schweiz aktiv werden und mit der KOVI die Möglichkeit bieten, vor Schweizer Gerichten gegen die Missachtung von Regeln zu klagen», betont sie. Es sei eine Illusion, zu denken, dass Grosskonzerne freiwillig Verantwortung übernehmen.

Mehr Infos zur Konzernverantwortungsinitiative sind hier zu finden.


VERANSTALTUNGEN ZUM THEMA:

«Konflikte um Land und Wasser – und Konzernverantwortung?»
Erfahrungen aus der peruanischen Zivilgesellschaft
Gast: Javier Jahncke, Leiter der bergbaukritischen Organisation Red Muqui, Partnerorganisation von COMUNDO
Event organisiert in Kooperation mit der KOVI-Gruppe Bern und Public Eye
Donnerstag, 26. April 2018, 18.30 – 20.15 Uhr
Atelier 369 im PROGR, Bern

Weg der Menschenrechte
Globale Geschäfte – globale Verantwortung: Gemeinsam unterwegs für eine verantwortungsvolle Weltwirtschaft
Gäste: Stephan Suhner, Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ASK), Sonja Kaufmann, Fastenopfer, Co-Leitung Kommunikation, und Javier Jahncke, Leiter der bergbaukritischen Organisation Red Muqui, Partnerorganisation von COMUNDO
Samstag, 28. April 2018, 15.45 – 22.30 Uhr
Besammlung: 15.45 Uhr Missionshaus Bethlehem Immensee     
Abschluss: ca. 22.30 Uhr im RomeroHaus Luzern

Table ronde: Glencore und die Menschenrechte
Folgen der Minentätigkeiten von Glencore für die Bevölkerung von El Hatillo in Kolumbien
Gäste: Claudia Blanco, kolumbianische Gewerkschafterin, Pierre Tshinguz, Gewerkschafter aus dem Kongo, Tatiana Rojas Gerber und Francesco Gerber, ehemalige Fachpersonen von COMUNDO, Chantal Peyer, Brot für alle
Mittwoch, 2. Mai, 19 Uhr
Maison des associations, Genf
Veranstaltung auf Französisch

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