Massaker an Kleinbauern in Tumaco

Bei einem Kleinbauernprotest in Tumaco (Kolumbien) kamen Anfang Oktober mehrere Indigene ums Leben. COMUNDO verurteilt das Massaker und versucht gemeinsam mit anderen Organisationen, Druck auf die Regierung auszuüben: Die Umsetzung des Friedensabkommens ist nur möglich, wenn die Regierung die Sicherheit und Partizipation der Zivilbevölkerung gewährleistet.

Am 5. Oktober 2017 demonstrierten Kleinbauern in Tumaco gegen die gewaltsame Ausrottung von Kokapflanzungen und damit gegen den Verlust ihrer Lebensgrundlage. Kolumbianische Sicherheitskräfte unterdrückten den Protest gewaltsam und eröffneten das Feuer auf die Demonstranten. Dabei kamen mindestens sieben Personen ums Leben und mindestens zwanzig wurden verletzt. «Die Region um Tumaco ist das grösste Drogenanbaugebiet Kolumbiens», betont Mirjam Kalt, Koordinationsperson von COMUNDO in Kolumbien. «Im Rahmen des Friedensabkommens sind Substitutionsprogramme vorgesehen, damit die Koka-Bauern Alternativen haben, um in der Agrarwirtschaft bestehen zu können. In jüngster Vergangenheit wurden die Pflanzen der Bauern jedoch ausgerissen, ohne dass diese Programme zum Tragen gekommen sind. Die Bauern stehen somit vor dem Nichts, da sie ihr Einkommen verloren haben.»

Menschenrechtsvertreter bedroht
Einige Tage nach dem Massaker wollte sich eine Kommission aus Vertretern/-innen von staatlichen und kirchlichen Organisationen und Menschenrechtsorganisationen zum Tatort begeben, um zu untersuchen, wie und unter welchen Umständen es zu dem Massaker gekommen war. Doch auch sie wurden durch die Sicherheitskräfte angefeindet und es seien sogar Schüsse abgegeben worden. Für Mirjam Kalt eine besorgniserregende Entwicklung: «Es ist für das Land katastrophal, wenn internationale Organisationen sowie kirchliche und staatliche Institutionen keine Verifikationsbesuche machen können. Denn wie sonst soll die Umsetzung des Friedensabkommens überprüft und unterstützt werden?» Mitglied der Untersuchungs-Kommission ist auch die Diözese von Tumaco, eine Partnerorganisation von COMUNDO in Kolumbien. Sie begleitet die indigenen Gemeinschaften inmitten der Risiken und Schwierigkeiten und wird von den zwei COMUNDO-Fachpersonen Ulrike Purrer und Yvonne Massoth bei ihren Bemühungen zur Friedensförderung und Verteidigung der Menschenrechte unterstützt.

Kein Frieden ohne Sicherheit
In den wichtigsten und umstrittensten Gebieten der Implementierung des Friedensprozesses brauche es dringend internationale Präsenz und Kontrolle, ist Mirjam Kalt überzeugt. Gemeinsam mit anderen Organisationen versucht COMUNDO mittels Lobbyarbeit den Druck auf die Regierung zu erhöhen, damit gewalttätige Übergriffe auf die Zivilbevölkerung bei Protesten verhindert werden können. «Die Zivilgesellschaft muss sich auf die Streitkräfte der Regierung verlassen können, sonst kann kaum von einem dauerhaften und nachhaltigen Frieden gesprochen werden», meint Mirjam Kalt. Auch sei das Drogenproblem mit dem Friedensabkommen noch nicht gelöst, verschiedenste Akteure kämpfen um die Vormacht in den Drogenanbaugebieten und im Handel. Dieses Thema bedürfe einer globalen Lösung.
 

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